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Management by Geschirrspüler

„Wozu brauchen Sie einen Geschirrspüler? Lassen Sie doch Ihre Leute die Tassen spülen – bei uns geht es doch auch! Haben Sie Ihre Mitarbeiter denn nicht im Griff?“ So ähnlich argumentierte meine Maklerin auf meine Beschwerde hin, dass wir den Geschirrspüler in unserem neuen Büro unbedingt bräuchten.

Das ist durchaus aufschlussreich. Vielleicht liefert dieser kleine Zwischenfall eine Erklärung dafür, warum Deutschland trotz seiner vermeintlich hervorragenden Akademikerausbildung im globalen Dauerrennen um innovative IT-Lösungen stets hinterherhinkt. Wohl deshalb, weil Softwareexperten oft nicht „artgerecht“ gemanagt  werden.

Um bei dem Fall zu bleiben: Ein traditioneller Maklerbetrieb stellt ein relativ einfaches Geschäft dar. Die dort ausgeführte Tätigkeit ist im Vergleich zum Software Entwickeln leicht zu erlernen und repetitiv, daher sind die Mitarbeiter leicht ersetzbar. Es scheint daher selbstverständlich, dass in einem solchen Umfeld die Vorgabe „Spül doch deine Tassen selbst, SONST …!“ (das „Sonst“ schwebt immer implizit im Hintergrund mit) leicht durchzusetzen ist. Die Mitarbeiter machen ohne Murren mit – sie wollen nicht negativ auffallen.

Ganz anders gestaltet sich das in einem Team aus hochkarätigen Softwareentwicklern. Gute Experten in diesem Bereich sind extrem schwer zu bekommen – und dessen sind sie sich durchaus bewusst. Sie würden es dem Chef selbstverständlich übel nehmen, wenn dieser sie zum Geschirrspülen zwänge. Außerdem ist die Produktivitätsminderung durch solche „unqualifizierten“ Tätigkeiten nicht zu verachten: Zehn Minuten Geschirrspülen pro Tag kostet ein Unternehmen bei einem Softwaredesigner auf Dauer weitaus mehr als jede Spülmaschine und die Betriebskosten wie Spülmittel, Strom, Wasser und Wartung zusammengenommen. Eine solche Berechnung wäre in einem Maklerbüro sinnlos.

Management heißt: Hindernisse aus dem Weg räumen

Es ergibt keinen Sinn, ein kreatives Team – das stets innovativ denken muss und noch dazu fast immer unter chronischem Termindruck steht – mit dem typisch deutschen, althergebrachten Befehlskettendenken zu traktieren. Hindernisse aus dem Weg räumen – das ist doch die Kernaufgabe eines IT-Managers. „Führung“ bedeutet das zwar noch nicht, aber schon einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

In einer Gesellschaft, in der das „Wer zuerst lächelt, verliert“-Denken vorherrscht und Freundlichkeit oft mit Schwäche verwechselt wird, fällt es vielen Managern schwer, sich als Dienstleister für ihre Teams zu begreifen. Es stellt natürlich eine Gratwanderung dar, denn übertrieben zurückhaltende Manager werden von ihren Untergebenen nicht selten „aufgefressen“. Aber bei einer Spülmaschine erscheint das Risiko des Autoritätsverlustes doch ziemlich überschaubar. Gönnen Sie Ihrem Team dieses bisschen Luxus. Sie werden sehen: Es lohnt sich.

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Über den Autor

Roman MildnerRoman Mildner, zertifizierter Projektmanager (PMP) und Mitglied im United Mentors Network (UMN), ist seit 1992 in der IT und seit 1998 als unabhängiger Berater und Projektmanager tätig. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung, Projektmanagment und Prozessberatung. Weitere Details finden sich auf seiner UMN-Seite. (S. auch Google)

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