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Beratung ist Handarbeit

Beratungsindustrie – dieser Begriff ist doch ein Widerspruch in sich. Hier muss Klärung erfolgen.

Sucht man mit [put your favorite search engine here] nach dem Begriff „Beratungsindustrie“, findet man allerlei spannende Studien und Belehrungen, wie diese vermeintliche Industrie funktioniert und welche Herausforderungen sie bietet.

Da haben wir es wohl mit einer Begriffsverwirrung zu tun. „Industrie“ wird in der einzig wahren Weisheitsquelle, der Wikipedia, wie folgt definiert:

„Die Industrie (lat. industria: Betriebsamkeit, Fleiß) bezeichnet den Teil der Wirtschaft, der gekennzeichnet ist durch die Produktion und Weiterverarbeitung von materiellen Gütern oder Waren in Fabriken und Anlagen, verbunden mit einem hohen Grad an Mechanisierung und Automatisierung – im Gegensatz zur handwerklichen Produktionsform.“

Alles, was mir in meinem Berater- und Projektmanagerleben hoch und heilig ist, widerspricht der Verbindung der Begriffe „Industrie“ und „Beratung“.

Man stelle sich vor, dass ein Berater materielle Güter herstellt, wobei er höchst mechanisiert und automatisiert agiert. Das ergibt keinen Sinn.

Selbst wenn man dem typischen Geschäftsmodell frönt und Uni-Absolventen als Experten verkauft  was manche Marktspieler Gerüchten zufolge praktizieren sollen , ist die „Mechanisierung“ womöglich noch darstellbar, aber „Automatisierung“ nun beim besten Willen nicht mehr.

Beratung ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Ein echter Berater kann kein Fließbandarbeiter sein; er ist im weitesten Sinne ein Handwerker. Der Arztberuf bietet sich übrigens ebenfalls als guter Vergleich an, zumindest in seinem althergebrachten Sinne. Ein Vergleich mit einem klassischen Musiker gefällt mir persönlich auch ganz gut; da aber Künstler in unserer Sphäre nicht ernst genommen werden, verkneife ich ihn mir.

Ein Berater muss kundenspezifische Lösungen finden. Es gibt keine Pauschallösung. Kein Paket, das man im Versandhaus bestellt. Der Berater nutzt optimalerweise die in seinem früheren Leben als Angestellter, Geschäftsführer, Unternehmer etc. im betreffenden Wirtschaftszweig erworbenen Erfahrungen, um seinen Kunden voranzubringen. Wer da skalierbare „Industrie“ wittert, der sollte sich bitte einen Computer zulegen und in der Wikipedia nachschlagen. Oder in zahlreichen anderen Nachschlagewerken.

Das wird so bleiben. Die sogenannten „Expertensysteme“, der Informatiker-Traum der 90er-Jahre, haben es nicht gebracht. Und das ist gut so. Wir werden immer voneinander lernen können, und Beratung ermöglicht einen sehr schönen Lernprozess, denn das Ziel ist dabei edel und für alle Beteiligten Gewinn bringend. Und schöner als beim „Win-win“ kann das Geschäftsleben nicht sein.

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Über den Autor

Roman MildnerRoman Mildner, zertifizierter Projektmanager (PMP) und Mitglied im United Mentors Network (UMN), ist seit 1992 in der IT und seit 1998 als unabhängiger Berater und Projektmanager tätig. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung, Projektmanagment und Prozessberatung. Weitere Details finden sich auf seiner UMN-Seite. (S. auch Google)

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