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Effizienz durch Zehnfingertippen

Zehnfingertippen wird gelegentlich als sinnlose Angeberei abgetan. Das ist ein Fehler.

Für einen Softwareentwickler stellt die Tastatur die wichtigste Schnittstelle zu seiner Maschine dar. Natürlich bildet das Nachdenken den Kern seiner Arbeitsaktivität. Doch sobald die einzugebende Code-Sequenz klar ist, folgt nur noch langweilige Abtipperei vom geistigen Spickzettel. Bei der Code-Dokumentation oder gar der Erfassung von Anforderungen liegt der Anteil der reinen Schreibarbeit sogar noch wesentlich höher.

300 Zeichen pro Minute sind möglich – bei einem Zweifingertipper vielleicht 60. Wie so üblich bei Effizienzsteigerungsmaßnahmen, wollen wir das Verbesserungspotential an einem hypothetischen Beispiel einschätzen:

  • Ein Analytiker/Entwickler tippt im Schnitt 50 Zeilen Code und 500 Zeilen Dokumentation pro Tag (inklusive Meeting-Notizen etc.).
  • Das ergibt ca. 550 Zeilen je 80 Zeichen = 44.000 Zeichen.
  • Ein 60-Zeichen/Minute-Tipper braucht dafür 733 Sekunden, also ca. 12 Minuten.
  • Ein 300-Zeichen/Minute-Tipper braucht dafür 147 Sekunden, also ca. 2,5 Minuten.
  • Die Effizienzeinsparung beträgt somit 9,5 Minuten/Tag, bei 200 Arbeitstagen/Jahr mithin 1.900 Minuten oder ca. 32 Stunden.
  • Ein Profi mit 15 Jahren Erfahrung kostet 80.000 EUR/Jahr, das ergibt bei 200 Arbeitstagen/Jahr einen Stundensatz von 50 EUR.
  • Somit spart ein Schnelltipper 1600 EUR/Jahr.

Bei einem 50er-Profitipper-Team spart man also 80.000 EUR pro Jahr im Vergleich zu einem Zweifingertipper-Team. In einem typischen Projekt mit der Dauer von zwei Jahren sind das 160.000 EUR mehr Deckungsbeitrag.

Bei dieser simplifizierten Betrachtung blieben zudem viele Faktoren unberücksichtigt, welche einen Langsamtipper faktisch oder potentiell noch teurer machen. So ist die Effektivität der täglichen Arbeit niedriger, wenn dem Mitarbeiter seine eigene Maschine stets im Weg steht. Kreative Gedanken sind flüchtig, und langsames Tippen steigert die Gefahr, dass ein Telefonanruf oder Bürobesuch den Arbeitsfluss stört. Auch werden zunehmend Meetingnotizen direkt auf Laptops erfasst; wenn man sie – wie dies ein Langsamtipper tun muss – zunächst mit Stift und Papier niederbringt und erst im Nachhinein in ein elektronisches Dokument überträgt, sinkt die Produktivität noch weiter.

Ergibt solch eine Berechnung Sinn? Für das Controlling sicherlich ja. Dies lässt sich in einem durchschnittlichen Unternehmen leicht beweisen, indem man versucht, einen Invest-Antrag über 160.000 EUR durchzubringen.

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Über den Autor

Roman MildnerRoman Mildner, zertifizierter Projektmanager (PMP) und Mitglied im United Mentors Network (UMN), ist seit 1992 in der IT und seit 1998 als unabhängiger Berater und Projektmanager tätig. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung, Projektmanagment und Prozessberatung. Weitere Details finden sich auf seiner UMN-Seite. (S. auch Google)

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