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Eco LocalTalk – die europäische Wolkenbildung

Am 11. November 2010 fand in den Kölner Rheinterrassen die Veranstaltung „LocalTalk – Cloud Computing“ statt, organisiert von EuroCloud Deutschland_eco e. V., dem deutschen Ableger des europäischen Verbands EuroCloud.

In der ungezwungenen Atmosphäre der gerade beginnenden fünften Jahreszeit diskutierten Experten auf dem Podium über den aktuellen Stand der Cloud-Computing-(CC)-Industrie in Deutschland, namentlich:

Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Weiss, Vorstand der EuroCloud Deutschland_eco e. V.

Auf der Veranstaltung wurden verschiedene Fragestellungen rund um das Kernthema angesprochen. Zu den interessantesten zählten folgende:

  • Deutsche Anbieter genössen hierzulande eine ganze Reihe Vorteile gegenüber ihrer Konkurrenz aus dem Ausland:
    • Datenschutz stelle weiterhin einen sehr sensiblen Aspekt des „Cloud Computing“ dar. Der deutsche Datenschutz sei ein wichtiges Verkaufsargument für CC-Anbieter.
    • Bei der der steuerlichen Behandlung der angefallenen Leistungen biete sich ein unübersichtliches Bild. Es gebe in Europa – auch in absehbarer Zeit – keinen einheitlichen Standard für die Besteuerung der verteilten Leistungserbringung.
    • Die Sprachhürde bilde ein grundsätzliches Problem. Amerikanische Anbieter beispielsweise täten sich daher in Deutschland schwer.
  • Eine Reihe kleinerer und größerer Hindernisse, Herausforderungen und Unsicherheiten begleite die Entwicklung des CC-Marktes:
    • Engpässe bei den verfügbaren Datenverbindungen, auch hinsichtlich ihrer Kosten. Da sich die Netzkapazität langsamer entwickle als Rechenkapazität, stelle dies ein langfristig zu lösendes Problem dar.
    • Verunsicherung darüber, auf welche Technologie CC-Kunden setzen sollten (Microsoft, Oracle, Google etc.).
    • Die Frage einer „wolkenübergreifenden“ Integration: Wie bringt ein Kunde Dienste zusammen, die bei verschiedenen CC-Anbietern eingekauft wurden?
  • Für den Begriff „Private Cloud“ wurde herausgestellt, dass darunter oft nicht CC, sondern Virtualisierung im eigenen Rechenzentrum zu verstehen sei. Der Unterschied werde in den Fachmedien häufig übersehen.
  • Die fortschreitende Virtualisierung der Arbeitsplätze stehe im Einklang mit der Loslösung der Arbeitsleistung vom physischen Arbeitsplatz (durch Arbeit im Homeoffice, unterwegs etc.)
  • Einstimmig wurde konstatiert, dass nachhaltiges Vertrauen zwischen Kunden und CC-Anbietern das mit Abstand wichtigste Thema bleiben werde. Dieses Vertrauen gelte es weiter auszubauen und auf allen Wegen zu stärken.

Weitere interessante Ansichten und Einsichten aus der Podiumsdiskussion:

  • Die Telekommunikationsindustrie habe sich von den enormen Lasten erholt, die durch die UMTS-Lizenzversteigerung im Jahr 2000 verursacht wurde.  Nun werde endlich in mehr Bandbreite und neue Technologien investiert, etwa in CC.
  • Bei CC handle es sich prinzipiell nicht um ein Produkt, sondern vielmehr um ein grundlegendes Architekturmodell.
  • Die Entwicklung des CC sei auch eine Generationsfrage: Jüngere IT-Verantwortliche seien mit verteilten Technologien aufgewachsen und stünden der CC-Industrie daher offener gegenüber.

In der anschließenden offenen Frage-Antwort-Runde wurde unter anderem das Thema Haftung (insbesondere bei der Datensicherheit) angesprochen. Für dieses Feld gebe es keinen einheitlichen Standard, es sei Verhandlungssache zwischen CC-Anbietern und ihren Kunden.

Während des inoffiziellen Teils der Veranstaltung bei Getränken und Snacks wurden interessante Gespräche in kleinen Gruppen geführt. Dabei fand ich eine Live-Vorführung des neuartigen SAP-Clients auf einem iPhone spannend – es handelt sich dabei nicht um einen Web-Client, sondern um eine vollwertige iPhone-App.

Die Veranstaltung hat meinen Eindruck bestärkt, dass das Thema Cloud Computing in Deutschland an Schwung gewinnt. Dabei scheint der Mittelstand, wenig überraschend, eine besonders „Cloud-resistente“ Kundengruppe darzustellen. Das neuartige SAP-Angebot in diesem Bereich, etwa CRM „aus der Steckdose“, bildet ein gutes Beispiel für eine neue Klasse von Anwendungen, die insbesondere für kleinere Betriebe von Interesse ist. Die geben sich traditionell sehr kostensensibel und fordern zugleich pragmatische, kurzfristig einsatzfähige Lösungen.

Nach meiner Einschätzung scheint die digitale Wolke trotz ihrer wachsenden Bedeutung immer noch in der heißen Hype-Phase zu stecken. Es wird noch einige Zeit dauern, bis IT-Verantwortliche sich darauf verlassen können, dass ihnen rational begründete und pragmatisch funktionierende Lösungen angeboten werden. Das Thema „Vertrauen“ ist und bleibt wohl der wichtigste Erfolgsfaktor, an dem die CC-Industrie weiterhin intensiv arbeiten muss.

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Über den Autor

Roman MildnerRoman Mildner, zertifizierter Projektmanager (PMP) und Mitglied im United Mentors Network (UMN), ist seit 1992 in der IT und seit 1998 als unabhängiger Berater und Projektmanager tätig. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung, Projektmanagment und Prozessberatung. Weitere Details finden sich auf seiner UMN-Seite. (S. auch Google)

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