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Die drei entscheidenden Erfolgsfaktoren bei der Prozessverbesserung nach Automotive SPICE

Immer wieder stehen Unternehmen vor der schwierigen Aufgabe, nachweisen zu müssen, dass ihre Organisation den Standard Automotive SPICE genügt. Es gibt keinen wundersamen Trick, um dort hinzugelangen. Umso wichtiger ist es, effektive Akzente während der Verbesserungsinitiative zu setzen.

Wenn man einen Consultant fragt, was es eigentlich kostet und wie lange es dauert, von Level 0 zu Level 2 im Automotive SPICE zu gelangen, ist eine Runde Schmunzeln angesagt. „Pi mal Daumen“, fügt der Kunde bald hinzu, wenn die Antwort zu lange dauert. Genau kann man es ja nicht sagen, richtig?

Richtig. Aber als Berater ist man für Antworten zuständig, also muss man doch irgendeine präsentieren. Nach einer oft längeren Diskussion – gespickt mit Floskeln, Ausflüchten, Sprüchen wie „Hängt davon ab“ und „Das muss man genauer beleuchten“, die eigentlich eher eines Autoverkäufers als eines hochbezahlten Beraters würdig sind – einigt man sich auf irgendein politisch erträglich erscheinendes „Guesstimate“ (Neudeutsch für „keine Ahnung“). Zum Beispiel: zwei Jahre pro Level, Kostenpunkt hängt von der Teamgröße ab.

Nichtwissen ist formal keine Schande, politisch dagegen stellt es schon ein Problem dar. Das muss man so stehen lassen.

Spannend und in der Tat zielführend ist die Frage: Wie komme ich am schnellsten hin? Was muss ich genau tun, um zumindest auf den Level 2 im „HIS Scope“ zu gelangen?

Oder liegt in der „Agilität“ die Antwort? Prozesse seien nichts, das Team sei wichtig? Nun, das geht deshalb nicht gut, weil zwar der Hersteller die Agilität toll finden mag, jedoch die Risikoscheu (und Erfahrung in unzähligen Eskalationen in der Automobilindustrie) letztendlich dazu führt, dass nun beides erwartet wird: Automotive-SPICE-Kompatibilität und Agilität. Wenn Ihnen nun gesagt wird, dass beides gehe und nichts koste (mehr nur als eine der Varianten), dann sollten Sie sich die Motivation Ihres Geschäftspartners genauer anschauen.

Was ist nun wirklich entscheidend? Hier ist die Liste der Erfolgsfaktoren, die einen schnellen Fortschritt dabei ermöglichen, am schnellsten eine Organisationsreife im Sinne des Automotive SPICE zu erreichen, und zwar in der Rangfolge ihrer Signifikanz:

  1. Teamrollen
  2. Vorlagen
  3. Checklisten

Teamrollen sind deshalb entscheidend, da Automotive SPICE keine Rollen vorgibt, jedoch ohne Rollen und Verantwortlichkeiten keine auf Zeit und Effizienz getrimmte Systementwicklung möglich ist. Als Erstens sollte also ein Standard-Teamchart entwickelt werden, mit einem Projektmanager an der Spitze.

Vorlagen sind unerlässlich für die Prozessqualität der Systementwicklung. Wenn wir für alles eine Vorlage haben (wie Anforderungsmanagement, Design, Testfälle etc.) und das Team auch tatsächlich die Vorlagen konsequent nutzt, ist ein entscheidender Punkt in jeder Checkliste des Fahrzeugherstellers erledigt.

Checklisten sichern die Qualität der Vorlagen und zurren Verantwortlichkeiten zusammen. Gute Checklisten können/sollten in zwei Ausprägungen vorliegen: Audit-Checklisten und „Technische“ Checklisten. Die einen sollten eine möglichst objektive, formale Auditierung ermöglichen. Die anderen sind weniger formal und dienen dem schnellen Überblick darüber, was im Laufe der Entwicklung zu beachten ist.

Es gibt natürlich noch eine Reihe anderer Faktoren, wie Qualität der Dokumentation, Unabhängigkeit der Qualitätssicherung, Führung und Managementstil etc. Die oben genannten drei Faktoren sind jedoch, wenn sie einmal auf den Weg gebracht wurden, für 80 % des Erfolgs einer Prozessverbesserungsinitiative verantwortlich.

Eine Prozessverbesserungsinitiative ähnelt in mancher Hinsicht der Quadratur des Kreises. Beachtet man die drei wichtigsten Faktoren, dann besteht die realistische Chance, dass der Quadraturkreis runder wird.

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Über den Autor

Roman MildnerRoman Mildner, zertifizierter Projektmanager (PMP) und Mitglied im United Mentors Network (UMN), ist seit 1992 in der IT und seit 1998 als unabhängiger Berater und Projektmanager tätig. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung, Projektmanagment und Prozessberatung. Weitere Details finden sich auf seiner UMN-Seite. (S. auch Google)

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