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Der Eiffelturm: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Der Eiffelturm gehört zweifelsohne zu den größten architektonischen Erfolgen der Menschheit. Der Weg zu einem solch großen Projekt ist jedoch immer mit jeder Menge Hürden verbunden. Von dieser Tatsache blieb auch der Eiffelturm seinerzeit nicht verschont. Vom Zeitpunkt der Idee, als Symbol und Tor für Frankreichs Weltausstellung 1889 zu dienen, über die Umfunktionierung zu einem wichtigen Kommunikationsturm während des Ersten Weltkriegs bis hin zur späteren Verwandlung zu einem ikonischen Designobjekt, das jährlich Millionen von Touristen anzieht, beweist der Eiffelturm, dass die größten Projekte überleben, wenn man sie ihrer Umgebung immer wieder anpasst und neu erfindet.

Der Eiffelturm lehrt uns, dass die größten Projekte auf ihrem gesamten Weg immer wieder Herausforderungen und Problemen mit Projekt-Stakeholdern begegnen, obwohl ihr wahrer Erfolg nur vom finalen Endnutzer bestimmt wird. Im Falle des Eiffelturm-Projekts wird schnell klar, dass die Projektleitung, die das Vorhaben erfolgreich verwirklicht hat, sich unter den Augen Frankreichs und der restlichen Welt, die jeden noch so kleinen Schritt prüfend in Augenschein nahm, einem gewaltigen Risiko ausgesetzt hat. Glücklicherweise gehört dem Mutigen die Welt, und so wurde Gustave Eiffel in sämtlichen Geschichtsbüchern verewigt.

Gustave Eiffel hat der Welt demonstriert, dass eine Projektvision und innovatives Design, wie es seine Ära reflektiert, einen zeitlosen Wert über Jahre hinweg bedeuten.

Die Vision

1886 hat Gustave Eiffel seinen Entwurf unter 100 anderen Vorschlägen eingereicht, und nach zahlreichen Diskussionen, in denen sich sein Entwurf als einzig sinnvoller entpuppte, gab ihm die französische Regierung am 8. Januar 1887 die Zusage. Während man Eiffel hierfür lediglich 1,5 Millionen Francs (weniger als ein Viertel der Baukosten) zur Verfügung stellte, räumte man ihm als Entschädigung die Rechte am Turm und somit die Besuchereinnahmen für die nächsten 20 Jahre ein.

Als leitender Projektmanager und Ingenieur des Eiffelturms war Gustave Eiffel schon vor Baubeginn der Überzeugung, dass dieses Projekt sein Risiko wert war. Trotz zahlreicher Stimmen aus Kreisen von Pessimisten, die die statische Sicherheit und die künstlerische Integrität infrage stellten, hielt Gustave Eiffel an seiner Vision erfolgreich fest und machte bereits im ersten Jahr durch die Eintrittsgelder der Besucher Profit.

Die Durchführung

Eiffel und seinem Team von 300 Arbeitern gelang die Fertigstellung des Turms für die Weltausstellung 1889 in zwei Jahren, zwei Monaten und fünf Tagen. Obwohl der Eiffelturm am neunten Tag der Weltausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, waren die Aufzüge noch immer nicht in Betrieb. Trotz der Tatsache, dass das Projekt das Ziel, vor Beginn der Weltausstellung abgeschlossen zu sein, verfehlte, verzeichnete der Eiffelturm bis zum Ende der Ausstellung, im Oktober desselben Jahres, fast zwei Millionen zahlende Besucher.

Hinsichtlich der Durchführung war das Projekt Eiffelturm ein bemerkenswerter kommerzieller Erfolg und das trotz der Tatsache, dass die Frist nicht ganz eingehalten werden konnte. Gustave Eiffel schätzte sich überaus glücklich, dass sich das hohe Risiko bezahlt machte und der Eiffelturm bei der Öffentlichkeit so großen Anklang fand. Darüber hinaus war Eiffel sehr darauf bedacht, mit nur wenigen Arbeitskräften auszukommen und für diese sehr hohe Sicherheitsstandards festzulegen. In der über zweijährigen Bauperiode kam trotzdem ein Arbeiter ums Leben.

Das Resultat

Der Erfolg des Projekts „Eiffelturm“ ging weit über die eigentliche Absicht, als Symbol für die Weltausstellung 1889 zu dienen, hinaus und veränderte nachhaltig die Skyline von Paris, indem es das Wahrzeichen der Stadt und letztendlich von Frankreich schuf. Tatsächlich wurde der Eiffelturm auf der ganzen Welt über 30-mal nachgebaut. Vor dem Hotel Paris Las Vegas in Las Vegas steht sogar ein Nachbau im Maßstab eins zu zwei, der ebenso hohe Einnahmen wie der originale Eiffelturm verzeichnet. Darüber hinaus wurde der ursprüngliche Vertrag, der besagte, den Turm 1909 abzubauen, außer Kraft gesetzt, da die französische Regierung den Nutzen des Turms als Kommunikationsturm im Kriegsfall erkannte. Ab 1957 erfolgte sogar die Umwandlung in eine Radiostation, ferner diente der Eiffelturm, wie schon zu Beginn, als Touristenattraktion.

Das Projekt „Eiffelturm“, das drei Jahre lang andauerte, wurde sozusagen über Nacht zum Erfolg. Obgleich es vor zahlreichen Herausforderungen stand, erwies sich Gustave Eiffel als wahrer Visionär mit dem erforderlichen langen Atem und setzte seine riskante Vision erfolgreich um. Sie hat sich nicht nur finanziell, sondern auch historisch bezahlt gemacht. Noch heute zählt der Eiffelturm zu den bedeutendsten Wahrzeichen weltweit und hat seit der Eröffnung 1889 über 200 Millionen Besucher angezogen.

Nebenbei: Wussten Sie, dass die Erbauer des Eiffelturms mithilfe einer Projektmanagement-Software zur damaligen Zeit 15.000 Euro** hätten sparen können, was in der heutigen Zeit ca. 360.000 Euro entspricht?

** Diese Kalkulation basiert auf einem Schätzwert von 50 % des Projektbudgets, das der Kostenstelle Arbeit zugewiesen wird. 10 % Arbeitskosten werden demnach der verloren gegangenen Produktivität zugeschrieben. Die Kosteneinsparungen sind Grundlage einer allgemein akzeptierten Norm, die besagt, dass Projektmanagement-Software die Produktivität um 25 % steigern kann.

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Über den Autor

Die Autorin: Sofia Hess, Autorin bei Genius Inside AG, schreibt seit 2008 Beiträge und Artikel rund um Projektmanagement.

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