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Das Ziel ist das Ziel

Einer der populärsten Killersprüche im Geschäftsleben, „Der Weg ist das Ziel“, ist so missverständlich, dass man ihn besser ganz meiden sollte.

Das Nutzen wie das Abwehren sogenannter Volksweisheiten und Erfahrungstatsachen gehören zum Rhetorik-Know-how. Killersprüche wie „Das haben wir schon mal versucht“, „Das haben wir schon immer so gemacht“, „Das wurde nicht mit allen abgestimmt“ und „Im Buch XY der Koryphäe ABC ist das genau andersherum“ hört man als Berater täglich und muss damit professionell umgehen. Das ist täglich Brot und macht Spaß. Doch es gibt Sprüche, die mich immer besonders fröhlich stimmen. „Der Weg ist das Ziel“ ist einer meiner Favoriten.

Der Spruch entstammt der Zen-Praxis und wird Konfuzius zugeschrieben. Im Zen wird damit eine rekursive Behauptung ausgedrückt, die das Erleben an sich in den Mittelpunkt stellt. Das mag in der Philosophie einen Anlass für eine wunderbare Diskussion liefern, im Geschäftsleben ist der Spruch wenig hilfreich.

Erstens: Das Ziel ist das Ziel und der Weg ist der Weg. Die kausalitätsfreie Kreuzreferenz „Weg -> Ziel“ ist unlogisch und bewirkt einen „Kurzschluss“ im Gehirn des Zuhörers. Darin liegt sicherlich ein Grund dafür, dass man den Spruch im dialektischen Gespräch nutzt; er ist dennoch sinnfrei und irritierend.

Zweitens: Der Weg ist nicht das Ziel, sondern führt zum Ziel, zumindest im Geschäftsleben. „Der Zweck (vulgo: das Ziel) heiligt die Mittel“ markiert das andere Extrem im Vergleich, aber in der Mitte dazwischen liegt die Lösung. Nicht um jeden Preis, aber mit aller Macht ist ein gesetztes Ziel zu erreichen. Es wäre sonst kein Ziel. Und der Weg ist nur Mittel zum Zweck. Der Weg zum Ziel bedeutet häufig mühevolle, undankbare, vielleicht sogar schmutzige und äußerst riskante Anstrengung. Für einen Homo sapiens kann daher der Weg niemals das Ziel sein – der Weg steht ihm dabei im Wege, das Ziel zu erreichen.

Das Ziel ist das Ziel, der dahin führende Weg ist nur der Preis für seine Erreichung.

Ein anderer chinesischer Denker, Laozi, soll gesagt haben: „Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ Den Spruch finde ich deutlich zielführender.

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Über den Autor

Roman MildnerRoman Mildner, zertifizierter Projektmanager (PMP) und Mitglied im United Mentors Network (UMN), ist seit 1992 in der IT und seit 1998 als unabhängiger Berater und Projektmanager tätig. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören IT-Strategieberatung, Projektmanagment und Prozessberatung. Weitere Details finden sich auf seiner UMN-Seite. (S. auch Google)

Kommentare (3)

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  1. Daniel sagt:

    Mit ihrer Definition tue ich mich sehr schwer, wie Sie schon sagten…

    “Zweitens: Der Weg ist nicht das Ziel, sondern führt zum Ziel, zumindest im Geschäftsleben.”

    …im Geschäftsleben und da zählen am Ende des Tages die Zahlen. Es geht in Wirklichkeit um etwas ganz Anderes nähmlich ums Geld.

    Der Weg zum Ziel definiert seinen eigentlichen Wert.

    Mal frei von dem Thema Geld sehen die Dinge dann schon wieder ganz anders aus. Ich verzichte hier mal auf Ausführungen 😉

  2. Schönen Dank für Ihren Kommentar. Sicher regiert Geld die Welt, es wäre töricht, das zu ignorieren. Ich würde aber schon gern erfahren, wie aus Ihrer Sicht der Weg den Wert eines Ziels definieren soll, ich bin auf diesem Auge scheinbar etwas fehlsichtig. Vielleicht meinen Sie, dass der investierte Aufwand mit dem Wert des Ziels korreliert. Das wäre eine mutige Annahme.

  3. F.Hildebrandt sagt:

    In meiner beratenden Tätigkeit stehe ich genau vor den gleichen Problemen, wie hier sehr schön beschrieben. Ich nutze in Meetings oft die Aussage “Das Ziel ist (bleibt) das Ziel”, um das Management von der Meta-Ebene wieder an den Tisch zu holen. MEIN Ziel ist es den “Weg”(Plan) zu finden, den ein Unternehmen bereit ist mit mir zu gehen, um sein Ziel zu erreichen. Wobei das Unternehmens-Ziel oftmals sehr unklar definiert ist und daher viele Wege zulässt. Leider kommt es bei vielen erst zur nötigen Erkenntnis, wenn Sie bereit auf “irgendeinem” Weg sind. Das nennt man auch Forschung und hat wenig mit Business zu tun! Mut und Vertrauen sind wichtige Begleiter auf neuen Wegen. Für einen Manager bleibt jedoch immer seine persönliche “Zielvereinbarung” mit der Geschäftsleitung das Ziel! – deshalb heißt es auch nicht “Wegvereinbarung”! Ich entgegne der Aussage “Der Weg ist das Ziel” immer mit den Worten “Sind wir hier im Straßenbau?” 😉

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